Der Regelkreis hinter der Nulleinspeisung – von Smart Meter über Controller bis zum Wechselrichter.
Stell dir vor, dein Haushalt verbraucht gerade 400 Watt – du hast ein paar Lampen an, der Router läuft, vielleicht der Fernseher. Dein Balkonkraftwerk produziert bei Sonnenschein 600 Watt. Was passiert mit den überschüssigen 200 Watt? Normalerweise fließen sie ins Stromnetz – das nennt man Einspeisung.
Nulleinspeisung verhindert genau das. Ein intelligentes System erkennt diesen Überschuss und drosselt den Wechselrichter auf 400 Watt – sodass du exakt deinen Verbrauch deckst und 0 Watt ins Netz einspeist. Steigt dein Verbrauch auf 800 Watt, reagiert das System und erhöht die Wechselrichter-Leistung entsprechend.
Nulleinspeisung funktioniert als geschlossener Regelkreis mit drei Hauptkomponenten:
Ein Smart Meter (Energiemessgerät) wird am Hausanschluss oder Zählerplatz installiert. Er misst in Echtzeit, wieviel Strom gerade aus dem Netz bezogen wird – oder, falls die Anlage zu viel produziert, wieviel eingespeist wird. Typische Geräte: Shelly 3EM, Ecotracker oder ein Lesekopf am digitalen Zähler.
Der Nulleinspeisungs-Controller (z. B. Smart Micro Solar von selbstbau-pv.de) liest die Messwerte des Smart Meters alle 1–2 Sekunden aus. Er berechnet, um wieviel Watt der Wechselrichter seine Leistung anpassen muss, und sendet einen entsprechenden Steuerbefehl.
Der Wechselrichter empfängt den Befehl und drosselt oder erhöht seine DC-AC-Wandlung entsprechend. Bei OpenDTU-kompatiblen Wechselrichtern (z. B. Hoymiles, Deye) geschieht das drahtlos über WLAN. Der Wechselrichter kann dabei zwischen 0 % und 100 % seiner Nennleistung geregelt werden.
Verbrauch und Produktion ändern sich ständig – Wolken, Geräte, Tageszeit. Der Regelkreis wiederholt sich daher permanent, typischerweise im 1-Sekunden-Takt, um immer den aktuellen Zustand abzubilden.
Der Smart Meter sitzt am Übergabepunkt zwischen deinem Hausnetz und dem öffentlichen Netz – also am Hauptzähler oder möglichst nah dran. Er misst den Netzaustausch: positiver Wert = Netzbezug, negativer Wert = Einspeisung.
Das Messgerät überträgt seine Daten in der Regel per WLAN oder Ethernet an den Controller. Verbreitet sind:
Das Herzstück des Systems. Der Controller läuft typischerweise auf einem kleinen Einplatinen-Computer oder einer eigens entwickelten Hardware. Er kommuniziert einerseits mit dem Smart Meter und andererseits mit dem Wechselrichter.
Die Software regelt: Wenn der Smart Meter +150 W anzeigt (du beziehst 150 W aus dem Netz), muss der Wechselrichter 150 W mehr produzieren. Zeigt er −50 W (Einspeisung), muss die Wechselrichterleistung um 50 W sinken.
Nicht jeder Wechselrichter unterstützt eine externe Leistungssteuerung. Für Nulleinspeisung brauchst du einen Wechselrichter, der entweder:
Hoymiles HM-Reihe, Deye Mikrowechselrichter und APsystems sind typische Vertreter mit OpenDTU-Kompatibilität.
Das System ist kein Wundermittel – es gibt physikalische und technische Grenzen:
Kleine kurzzeitige Einspeisungen (wenige Watt für wenige Sekunden) sind technisch nicht vollständig vermeidbar und auch rechtlich unproblematisch. Professionelle Systeme kommen praxistauglich auf über 95 % Genauigkeit.
Nulleinspeisung ist ein dreistufiger Regelkreis: Smart Meter misst → Controller berechnet → Wechselrichter passt an. Das System läuft vollautomatisch, 24/7, ohne manuellen Eingriff. Einmal eingerichtet, maximierst du deinen Eigenverbrauch dauerhaft – und schickst keinen Strom mehr ins Netz.
Schritt für Schritt zur eigenen Nulleinspeisungs-Lösung.
→ Einrichtungsanleitung